Ökologische Nachhaltigkeit

Bio Mensch, Tier und Pflanze

Von Katharina Lehmann · 2020

Die Agrarfläche, die in Deutschland ökologisch bewirtschaftet wird, ist klein. Doch sie wächst stetig. Gut ist das vor allem für Insekten, Wildtiere und Wildpflanzen. Doch auch Verbraucher greifen am Obst- und Gemüseregal immer öfter zu Bio statt zu herkömmlich produzierter Ware.

Wildblumenwiese mit Feld im Hintergrund.
Foto: iStock/RuudMorijn

Immer mehr deutsche Landwirte haben Lust auf Bio-Landbau. So ist der Anteil des ökologischen Landbaus im vergangenen Jahr deutlich gewachsen – die ökologisch bewirtschaftete Fläche hat sich im Vergleich zum Jahr 2018 um 7,73 Prozent vergrößert, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ermittelt. Auch die Anzahl der Bio-Betriebe stieg um rund 7,6 Prozent – 2019 bewirtschafteten 34.110 Landwirtschaftsbetriebe ihre Äcker nach ökologischen Kriterien. Damit setze sich der positive Trend der vergangenen Jahre fort. 

Zehn Prozent Bio-Landbau

Noch immer werden allerding nur rund 1,6 Millionen Hek­tar – 9,7 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche – ökologisch bewirtschaftet. Dabei ist die Umstellung auf ökologischen Landbau essenziell für unser Ökosystem und die darin lebenden Wildpflanzen und Wildtiere. Denn heute gelten nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bereits ein Drittel der bundesweit rund 350 Wildpflanzen, die auf Äckern wachsen, als gefährdet. Und auch Insekten, Feldvögel, Feldhasen und andere wildlebende Tierarten werden immer weniger. So zeigen offizielle Zählungen, dass der Gesamtbestand von Agrarvögeln zwischen 1980 und 2000 um 52 Prozent zurückgegangen ist. Zudem gibt es heute rund 75 Prozent weniger Insektenbiomasse als noch vor drei Jahrzehnten. Von den aktuell 560 Wildbienenarten sind etwa 41 Prozent als bestandsgefährdet einzustufen.

Ökologische Nachhaltigkeit

Das Verschwinden der Arten könne aber nur aufgehalten werden, wenn wieder mehr Flächen ökologisch statt konventionell bewirtschaftet werden – samt Variation der Fruchtfolgen und dem Verzicht auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel. So liege die mittlere Artenzahl bei Ackerwildkräutern unter ökologischer Bewirtschaftung um 95 Prozent höher als unter konventioneller Bewirtschaftung. Zudem seien auf ökologisch bewirtschafteten Feldern und Wiesen 35 Prozent mehr Feldvogelarten und 23 Prozent mehr blütenbesuchende Insekten zu finden. „Ökolandbau stärkt Bauern und Umwelt und macht die Landwirtschaft krisenfester. Das sehen immer mehr Landwirte, die deshalb auf Bio umstellen. Und auch immer mehr Kunden, die Bio in den Einkaufskorb legen”, weiß auch Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Spitzenverbands Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Wussten Sie schon, dass...

alle Menschen auf der Welt allein durch Lebensmittel ernährt werden können, die durch Öko-Landbau produziert wurden? Das hat zumindest das Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) herausgefunden. Voraussetzung ist allerdings, dass wir gleichzeitig unsere Konsumgewohnheiten umstellen: „Wenn man den Anbau von tierischem Kraftfutter und die Verschwendung von Lebensmitteln um jeweils die Hälfte reduzieren würde, könnte man die Landwirtschaft weltweit schon zu 60 Prozent auf Bio umstellen, ohne dafür wesentlich mehr Land zu verbrauchen“, weiß Christian Schader, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit am FiBL. „Auch die vollständige Umstellung – also 100 Prozent Öko-Landbau weltweit – wäre theoretisch möglich.“ Dazu dürften aber auf den Ackerflächen weltweit gar keine Futtermittel mehr angebaut werden. Die Tiere würden nur noch Gras und Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie fressen. Für Menschen hätte dies zur Konsequenz, dass der Konsum tierischer Produkte um rund ein Drittel eingeschränkt würde.

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