Ernährungsgewohnheiten ändern

Für den Körper und die Umwelt

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2021

Die Weltkugel wird von einer Gabel aufgepiekt. Thema: Ernährungsgewohnheiten ändern
Die Welt kann auch zehn Milliarden Menschen ernähren. Foto: iStock / SasinParaksa

Wie werden wir uns in Zukunft ernähren? Angesichts einer schnell wachsenden Weltbevölkerung werden neue Konzepte zur Lebensmittelherstellung benötigt. Nach Ansicht von Experten ist das Problem aber lösbar, wenn die Gewohnheiten radikal umgestellt werden.

Zugegeben, appetitlich sehen Mehlwürmer, Grillen und Co nicht gerade aus. Im Gegenteil: Vielen von uns schaudert es angesichts der Vorstellung, eines dieser Tierchen zu essen. Dabei gilt der Verzehr von Insekten als äußerst gesund und umweltschonend. Schon lange stehen die Sechsbeiner bei rund zwei Milliarden Menschen rund um den Globus auf dem Speiseplan. In Asien, Afrika und Südamerika gelten Insekten schon lange als nahrhafte Eiweißquelle. Und auch in Deutschland sind immer häufiger Burgerpattys aus Buffalowürmern oder Pasta aus gemahlenen Grillen zu finden. Der Clou: Nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sind Insekten auch gut für die Umwelt. Denn für die Zucht der Krabbeltierchen wird weniger Futter, Wasser und Platz benötigt und auch weniger Kohlendioxid ausgestoßen. Zudem liegt der essbare Anteil der meisten Insektenarten bei 80 Prozent, beim Rind sind es nur etwa 40 Prozent. Auch im Tierfutter können Insekten daher einen wichtigen Beitrag zur Nahrungsmittelsicherung darstellen.

70 Prozent mehr Nahrungsmittel benötigt

Dass Insekten als Nahrungsquelle von morgen gelten, liegt auch daran, dass neue Konzepte für die Ernährung der Weltbevölkerung gesucht werden. Etwa neun bis zehn Milliarden Menschen werden im Jahr 2050 auf der Erde leben. Um sie alle zu ernähren, müssen weltweit rund 70 Prozent mehr Nahrungsmittel produziert werden. Doch schon heute leiden die Böden unter den Monokulturen der konventionellen Landwirtschaft, erodieren unter dem vielerorts hohen Düngemittelgebrauch. Extreme Klimabedingungen wie Stürme und Dürren führen immer wieder zu Ernteausfällen. Pflanzliche Erzeugnisse gehen auch zuhauf als Futtermittel in die Massentierhaltung. Doch es ginge auch anders. Von den natürlichen Ressourcen des Planeten könnten schon heute zehn Milliarden Menschen satt werden. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung PIK. Dazu müssten wir unsere Gewohnheiten allerdings radikal umstellen. „Derzeit geschieht fast die Hälfte der weltweiten Nahrungsmittelproduktion auf Kosten der planetaren Belastungsgrenzen der Erde“, erklärt Dieter Gerten, Leitautor der Studie und Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin. „Wir widmen zu viel Land der Tierhaltung und den Nutzpflanzen, düngen zu stark und bewässern übermäßig. Um dieses Problem angesichts einer noch immer wachsenden Weltbevölkerung zu lösen, müssen wir miteinander überdenken, wie wir Lebensmittel produzieren.“ 

Ernährungsgewohnheiten ändern

Auch wir Konsumenten müssen umdenken: Weniger Lebensmittelverschwendung, weniger hochkalorische und hochverarbeitete Lebensmittel, weniger Fleisch, dafür mehr Gemüse und Hülsenfrüchte sollten auf unseren Tellern landen. „Veränderungen auf dem täglichen Speiseplan scheinen zunächst vielleicht schwer zu schlucken. Aber auf lange Sicht wird eine Ernährungsumstellung hin zu einem nachhaltigeren Mix auf dem Teller nicht nur dem Planeten, sondern auch der Gesundheit der Menschen zugutekommen“, ergänzt Vera Heck vom PIK. Eine bewusste und natürliche Ernährung wird nicht zuletzt deshalb immer populärer. So habe gerade die Corona-Pandemie deutsche Verbraucher für Regionalität, Fairness und Nachhaltigkeit sensibilisiert, hat Konsumgüterexperte Michael Buttkus vom Beratungsunternehmen Horvath & Partners gegenüber dem Handelsblatt festgestellt: „Wir beobachten geradezu eine grüne Welle.“ Nachhaltigkeit werde künftig zum „Hygienefaktor“ und damit essenziell für jedes Konsumgüterunternehmen. Buttkus betont: „Nachhaltigkeit und Profitabilität schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Nachhaltige Produkte werden vom Kunden mit einem Mehrwert assoziiert, der sich auch in erhöhter Zahlungsbereitschaft widerspiegelt.“ Immer wichtiger wird dabei auch die Verpackung: Auch die Lebensmittelhülle soll möglichst umwelt- und ressourcenschonend, am besten wiederverwendbar oder zumindest komplett recycelbar sein. Was nicht zwingend eine Verpackung braucht, soll auch unverpackt daherkommen. Klar ist nicht erst seit Corona: Immer mehr Menschen wollen sich bewusst, gesund und umweltschonender – eben natürlich gut – ernähren.

Grafik: Umfrage unter deutschen Konsumenten zu Lösungsansätzen zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung 2019/2020

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