Qualität und Sicherheit

Die Lücken werden geschlossen

Von Michael Gneuss · 2015

Das Vertrauen der Deutschen in die Lebensmittelwirtschaft sinkt. Dabei sind die Standards hierzulande hoch, die Betriebe und Produkte werden regelmäßig kontrolliert. Und gegen Verbrauchertäuschung und Etikettenschwindel gehen Verbraucherschützer vor.

Die Qualität deutscher Lebensmittel ist hoch – doch immer wieder erschüttern Hersteller mit falschen Inhaltsangaben oder unsachgemäßer Kennzeichnung das Vertrauen der Verbraucher. Die fühlen sich getäuscht und sind verunsichert. Das Resultat: Nur rund 55 Prozent der Deutschen vertrauen der Lebensmittelwirtschaft. Das sind vier Prozent weniger als noch im vergangenen Jahr. Und auch in anderen Volkswirtschaften ist das Vertrauen in die Lebensmittelwirtschaft zuletzt gesunken. So zeigen die Ergebnisse des globalen Edelman Trust Barometers in 19 von insgesamt 27 beobachteten Märkten einen Vertrauensverlust – mit den stärksten Einbrüchen in Singapur, Argentinien, Hong Kong, den Niederlanden und Südkorea. Für die Studie untersuchten die Experten der Kommunikationsagentur das Vertrauen der Verbraucher in fünf verschiedenen Sektoren der Lebensmittelwirtschaft. Landwirtschaft und Fischerei sowie dem Agrarbereich vorgelagerte Bereiche wurden ebenso unter die Lupe genommen wie die Lebensmittelindustrie, der Lebensmittelhandel und die Fast-Food-Restaurants. Immerhin: Dem Sektor Landwirtschaft und Fischerei vertrauen rund 63 Prozent der befragten Deutschen – von allen Sektoren der Lebensmittelwirtschaft schneidet er am besten ab. Im Mittelfeld lagen die Lebensmittelindustrie mit 56 Prozent und der Lebensmittelhandel mit 57 Prozent. Fast-Food-Restaurants wird dagegen unterdurchschnittlich oft vertraut: Nur rund 33 Prozent der Deutschen trauen den Schnellrestaurants.

Transparenz schafft Vertrauen

Die gute Nachricht: Die Zahl der „Swing Trusters“, also der neutral bis leicht positiv gestimmten Personen, die dem Wirtschaftszweig weder voll vertrauen noch ihn stark ablehnen, war in der Studie hoch. „Diese Swing Truster für sich zu gewinnen, ist eine große Chance für den gesamten Wirtschaftsbereich“, erklärt Uta Behnke, Leiterin des Bereichs Lebensmittelkommunikation bei Edelman Deutschland. Dazu brauche es aber vor allem Transparenz und die entstünde durch die Einbindung des Verbrauchers in den gesamten Wertschöpfungsprozess und durch Verständnis für seine Bedürfnisse und Bedingungen. Immerhin sind sogar 56 Prozent der befragten Deutschen der Meinung, dass die Industrie stärker in die Ernährungspolitik im eigenen Land miteinbezogen werden sollte. Wenngleich andererseits auch 54 Prozent meinen, die Lebensmittelindustrie werde nicht ausreichend reguliert. Weniger Lebensmittel beanstandet Dabei sind die Standards hoch in Deutschland: Die Behörden kontrollieren regelmäßig die Betriebe, die Schlachtvieh halten oder Lebensmittel herstellen, bearbeiten oder verkaufen. Sie prüfen, ob die hygienischen Standards erfüllt, die Waren richtig gekennzeichnet und die Lebensmittel frei von Schadstoffen und Verunreinigungen sind. Dazu lassen sie Lebensmittelproben in amtlichen Labors untersuchen.

Zahl der beanstandeten Proben sinkt

So untersucht das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) regelmäßig Lebensmittel und seit 2010 auch Kosmetika auf nicht erwünschten Stoffe wie Rückstände von Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln, Schwermetallen, Mykotoxinen sowie anderen Kontaminanten. Veröffentlicht werden die Ergebnisse im Lebensmittelmonitoring. Das letzte Monitoring liegt für das Jahr 2013 vor: Damals hatte die amtliche Lebensmittelüberwachung der Länder insgesamt 392.114 Proben von Lebensmitteln, Lebensmittelkontaktmaterialien und Bedarfsgegenständen wie Kosmetika untersucht. Elf Prozent der Proben wurden dabei beanstandet. Damit ist der Anteil der Beanstandungen in den vergangenen zehn Jahren stetig gesunken. Zum Vergleich: 2003 wurden noch 15 Prozent aller Proben beanstandet. Grund für die stetigen Verbesserungen der Lebensmittelqualität ist neben den regelmäßigen Kontrollen durch die Experten des bvl aber auch das öffentliche Interesse. Denn in Zeiten weltweiter Vernetzung und uneingeschränkter Informationsbeschaffung bleiben Pannen und Skandale nicht lange geheim. Und auch Verbraucher vernetzen sich immer mehr und informieren sich über Güte und Qualität ihres Essens.

Öffentlichkeit wirkt

So launchte vor vier Jahren die Bundesverbraucherzentrale das Portal Lebensmittelklarheit.de, bei dem Kunden Produkte melden können, von denen sie sich getäuscht fühlen. „8300 Produkte wurden uns bereits gemeldet“, sagt der Vorstand der Bundesverbraucherzentrale Klaus Müller. Jede Kritik werde zunächst fachlich geprüft, der Hersteller um Stellungnahme gebeten. Nur rund 600 Produkte sind bisher online einsehbar. Die Öffentlichkeit aber wirkt: „Ein Drittel der bemängelten Produkte wurden anschließend verändert“, sagt Müller. „Bei den Bioanbietern haben sogar 60 Prozent reagiert.“ Und auch Foodwatch fühlt den Unternehmen auf den Zahn: Seit 2007 kritisiert die Verbraucherorganisation im Rahmen der abgespeist-Kampagne Werbelügen und Etikettenschwindel. „Hersteller tricksen, um ihr Produkt besser aussehen zu lassen, sie tricksen, weil es die Wettbewerber auch tun“, heißt es dazu bei Foodwatch. Mit dem Goldenen Windbeutel wird jedes Jahr das Unternehmen mit der dreistesten Werbelüge im Lebensmittelmarkt prämiert. Häufigster Kritikpunkt: Die Bilder auf der Vorderseite des Etiketts suggerieren einen anderen als den tatsächlichen Inhalt oder Produktname und -aufmachung versprechen Gesundheit, obwohl dies angesichts der Zutaten nicht gerechtfertigt ist.

Klare Angaben sind wichtig

„92 Prozent möchten schon auf der Schauseite eines Produkts eine aussagekräftige Bezeichnung sehen“, weiß Anke Zühlsdorf, Forschungsleiterin der Agrifood Consulting GmbH. Die Unternehmensberatung aus Göttingen ermittelte in einer repräsentativen Studie, was Verbraucher wirklich wollen. Dazu ließ Zühlsdorf ihre Probanden Wunschetiketten für verschiedene Produkte anfertigen. Ergebnis: Produktnamen sollten klar verständlich auf den Inhalt des Produkts hinweisen, zudem sind genauen und wahrheitsgetreue Produktbilder sowie Angaben zu Füllmenge, Marke, Herkunft und Mindesthaltbarkeitsdatum wichtig. Die Nährwertkennzeichnung ist den Verbrauchern wichtiger als die Zutatenliste. Der QR-Code, von Unternehmen als Transparenz-Gewinn gefeiert, kommt an letzter Stelle. Die Verbraucher wissen ganz genau, was sie wollen. Das haben auch die Verbraucherschützer von Lebensmittelklarheit.de festgestellt: Denn bei den eingehenden Meldungen handelt es sich in der Regel nicht um Einzelfälle, sie zeigen Lücken im System. Aus diesem Grund hat die Bundesverbraucherzentrale vier zentrale Forderungen abgeleitet: Demnach sollten die wichtigsten Angaben schon auf der Schauseite der Verpackung aufgeführt sein. Auch sollten das Ursprungsland jedes Lebensmittels und die Rohstoffe genannt werden. Zudem solle eine landestypische Aufmachung nur dann zulässig sein, wenn das Produkt auch wirklich aus diesem Land stammt.

Quelle: GfK (ConsumerScan), 2011
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