Agrarwirtschaft

Der Garant vom Land

Von Wolfgang Zügel · 2015

Hochwertiges Getreide aus deutschem Anbau ist die Basis vieler Lebensmittel.

Seit Jahrhunderten sichern Bauer unsere Ernährung. Auch wenn es in einem Industrieland nicht unmittelbar auffällt, die Landwirtschaft ist und bleibt ein Wirtschaftsfaktor mit Einfluss und Gewicht. Dabei steht die deutsche Landwirtschaft nicht nur für hohe Qualität, dank erheblicher Produktivitätssteigerungen sorgt sie auch für eine Versorgung mit relativ günstigen Lebensmitteln.

Paprika aus Spanien, Weintrauben aus Italien oder Kiwi aus Neuseeland und Avocado aus Israel – an Obst und Gemüse aus dem Ausland hat sich der Verbraucher im Supermarkt längst gewöhnt. Aber durch den Trend zu biologisch Angebautem rücken Produkten aus der Region zunehmend in den Vordergrund. Unsere heimische Landwirtschaft festigt damit ihre Rolle bei der inländischen Versorgung mit Lebensmitteln.
Im Jahr 2013 produzierte die deutsche Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei Waren im Wert von 54,2 Milliarden Euro. Das ist erheblich mehr als die Produktion der gesamten deutscher Textil-, Bekleidungs- und Schuhindustrie mit 22,3 Milliarden Euro oder der pharmazeutischen Industrie mit 42,0 Milliarden Euro. Dennoch ist im Industrieland Deutschland mit 1,5 Prozent nur ein bescheidener Anteil der Bevölkerung direkt in der Landwirtschaft tätig. In absoluten Zahlen sind es 646.000 Menschen. Fast die Hälfte der bäuerlichen Erwerbstätigen sind eigenständige Unternehmer. Ihr Anteil an den Selbständigen in Deutschland beläuft sich auf sieben Prozent, was auf die vielen bäuerlichen Familienbetriebe zurückzuführen ist.

Steigende Produktivität

Fasst man den Anteil der Erwerbstätigen aus der Landwirtschaft am gesamten Agribusiness zusammen, kommt man auf knapp 14 Prozent. Das heißt: Einem landwirtschaftlichen Arbeitsplatz stehen sieben weitere Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen gegenüber. Der gesamte Sektor erwirtschaftete 2013 einen Wert von geschätzten 427 Milliarden Euro. Dabei wurde der gesamte Sektor immer effizienter: Gemessen an der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen hat der Agrarsektor in Deutschland seine Produktivität zwischen 1993 und 2013 fast verdoppelt (ein Plus von 96 Prozent). Zum Vergleich: Im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft stieg die Produktivität gerade mal um 44 Prozent. Oder ganz anders gerechnet. Um 1900 ernährte ein Bauer ganze vier Personen, fünfzig Jahre später waren es schon zehn und jetzt sind es 144 Menschen.
Für den Verbraucher hat der Produktivitätsfortschritt spürbare Auswirkungen, die Lebensmittel werden mitunter günstiger. Zwei Beispiele. Wurden 1970 rechnerisch 70 Minuten benötigt für ein Kilogramm Rindfleisch, waren es 2013 nur noch 30 Minuten. Bei einem halben Pfund Butter verringerte sich die Zeit von 22 auf 5 Minuten.
Unter anderem deshalb hat sich der Anteil der Nahrungsmittelausgaben an den gesamten Konsumausgaben privater deutscher Haushalte immer weiter verringert. Lag er 1970 noch bei 18,8 Prozent, so waren es 2013 nur noch 10,4 Prozent.

Qualitativ hochwertige Produkte

Zahlen und Fakten über die Wirtschaftskraft der Landwirtschaft sind das eine, doch wie werden die Bauern und ihre Produkte in der Bevölkerung gesehen? Nach einer im Jahr 2013 durchgeführten repräsentativen Umfrage von Infratest-dimap sehen 91 Prozent der Bevölkerung die Stärken der deutschen Landwirtschaft in der Erzeugung qualitativ hochwertiger Lebensmittel, also Milch, Fleisch, Getreide und Obst und Gemüse. 82 Prozent sehen die deutsche Landwirtschaft als „Bestandteil von Heimat und Brauchtum“. Aber insbesondere bei der Tierhaltung, dem verantwortungsvollen Umgang mit Boden, Wasser und Luft sowie der Qualität von Nahrungsmitten klaffen die Erwartungen und die Wahrnehmung der Bundesbürger auseinander. Die Ergebnisse heben hervor, dass in den Augen vieler Verbraucher ethische und ökologische Erwägungen in der deutschen Landwirtschaft zu kurz kommen.
Die hohen Erwartungshaltungen der Verbraucher gehen aber nur bedingt mit einer entsprechenden Zahlungsbereitschaft einher. Zu diesem Ergebnis gelangt die Allensbach-Studie aus 2012. Demnach empfinden etwa zwei Drittel aller Bundesbürger eine artgerechte Tierhaltung oder den Verzicht auf Gentechnik als besonders wichtig. Gleichzeitig würden aber weniger als ein Drittel mehr Geld dafür ausgeben. 

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