Regionale Lebensmittel

Der Apfel von nebenan

Von Claudia Harbinger · 2015

Beliebt sind Äpfel aus der Region bei Kindern besonders, wenn sie selbst gepflückt werden dürfen.

Die Mehrzahl der Verbraucher kauft lieber Esswaren aus heimischer Produktion und Erzeugung. Vom Bauernhof bis zum Discounter gibt es ein breites Angebot. Auch die Gastronomie setzt verstärkt darauf und entdeckt vergessene Spezialitäten neu. Neben Herkunft, Geschmack und Frische geht es auch um die emotionale Bindung.

Auf der schwarzen Schiefertafel am Apfelkarren steht liebevoll mit weißer Kreide geschrieben „Produkte aus dem Ländle“. Angebote wie diese findet man mit abgewandeltem Dialekt inzwischen überall, denn heimische Esswaren sind begehrt. 75 Prozent der Verbraucher bevorzugen Studien zufolge regionale Lebensmittel, siebzig Prozent sind auch bereit, dafür mehr zu bezahlen. Insbesondere beim Kauf von frischem Obst und Gemüse wird auf die Herkunft geachtet. Danach folgen Fleisch und Wurst, Milch und Milchprodukte sowie Brot und Eier.
Vom Direktverkauf auf dem Bauernhof über den Wochenmarkt bis zur speziellen Präsentation im Supermarkt gibt es ein breites Angebot an regionalen Produkten. Nicht zuletzt, weil auch Industrie und Handel das Potenzial entdeckt haben. War bis Anfang der 2000er Jahre die Strategie bei vielen Unternehmen noch darauf ausgerichtet, auf internationale Marken und große Lieferanten zu setzen, verstärken sie nun seit einigen Jahren ihre Regionalmarken wieder. Kleinere Initiativen gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Regionale Vielfalt

Die Verwendung des Begriffs „Regional“ ist dabei wie eine gute Mahlzeit: vielfältig, spannend, eine Prise verwirrend und manchmal sogar kurios. Weil der Begriff im Gegensatz zu „Bio“ nicht geschützt ist, gibt es keine feste Definition. Je nachdem wo ihre Heimat ist, verstehen Menschen etwas anderes darunter – unabhängig von der Kilometerzahl. So kann eine Region ein begrenzter Naturraum wie der Spreewald sein, ein bestimmter Landkreis, ein Bundesland oder ein Großraum wie Norddeutschland. Manchmal erklärt ein bekannter Discounter kurzerhand auch ganz Deutschland zur Region.
Die von der Bundesregierung eingeführte freiwillige Kennzeichnung „Regionalfenster“ soll für mehr Transparenz sorgen. Die Herkunft der Hauptzutaten und der Ort ihrer Verarbeitung müssen dafür genau belegt werden. Die steigende Zahl der Lizenznehmer – aktuell sind es rund 500, darunter große Handelsketten – kann als Beleg für den Trend zu mehr Regionalität gewertet werden.

Emotionale Bindung

Der Kauf heimischer Produkte hat viel mit emotionalen Faktoren zu tun. „Es kommt auf Glaubwürdigkeit, Vertrauen und eine persönliche Beziehung an“, sagt Prof. Dr. Achim Spiller, Inhaber des Lehrstuhls Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte an der Universität Göttingen. Der direkte Kontakt zu Erzeugern und Herstellern macht die Herkunft der Lebensmittel für die Kunden nachvollziehbar. Hoffeste bei Landwirten, Betriebsführungen oder auch Lieferantenporträts an Ladenregalen schaffen eine Kundenbindung, weil hinter den Produkten Gesichter und Geschichten stehen.

Gastronomische Experimente

Ob Fleisch vom Langeooger Insel-Rind oder Allgäuer Kässpatzen – auch die Gastronomie setzt zunehmend auf regionale Produkte und Spezialitäten. Denn Frische, Saisonalität und Herkunft der Speisen werden von Gästen immer häufiger nachgefragt. Wenn sich Qualitätsanspruch und eine eigene Philosophie verbinden, können interessante Projekte entstehen. So wie „lokal – das Kochexperiment“ von Spitzenkoch Simon Tress. Der 32-Jährige ist derzeit mit Autor Georg Schweisfurth in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz unterwegs. Die Bedingungen für die direkt am Ort zubereiteten Gerichte: Zutaten aus einem Umkreis von nicht mehr als 15 Kilometern, aus biologischer Landwirtschaft und artgerechter Tierhaltung. Wohin es die beiden Männer jeweils verschlägt, wird kurz vorher per Abstimmung auf Facebook entschieden. Die Mehrheit der Nutzer im weltweiten Netzwerk wählte als erstes die kleine Stadt Gammertingen auf der Schwäbischen Alb. 

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